Mit Autorität oder autoritär?
18.07.10 / Erziehungsstile / Autor: Ella / Kommentare: (0)
Schlagwörter: Autorität, Freiheit, Schläge
Ein Zwist über Erziehungsstile unter Eltern führt nicht selten dazu, dass die ehemals befreundeten Paare sich regelrecht verfeinden. Denn die Ansichten darüber, wie viel Freiheit und wie viel Regeln ein Kind benötigt, sind für Mütter und Väter oft so fundamental, weil sie ja schließlich das Werden ihres Kindes bestimmen. Sollte man also etwas falsch machen, läd man große Schuld auf sich.
Auch heute ist das Thema Autorität für viele Eltern deshalb ein Reizwort in der Erziehung – sei es, weil sie meinen, dass man einem Kind nichts aufzwingen darf, oder, so meinen andere, weil ein Kind dringend Orientierung durch klare Grenzen benötigt.
Autorität war tabu
Lange waren Regeln und Strafen ein absolutes Tabu, jedenfalls in Elternkreisen, die sich für aufgeklärt hielten. In den letzten Jahren gab es hingegen wieder einen Trend zur Strenge, wie sie etwa der Pädagoge Bernhard Bueb in seiner Streitschrift „Lob der Disziplin“ propagiert.
Fakt ist, das Eltern große Macht über ihre Kinder besitzen. Spielen die Eltern diese aus, können Kinder dem Einfluss weder physisch noch psychisch standhalten. Wenn eine Mutter ihr brüllendes Kind am Arm packt und über die Straße zerrt, setzt sie ihren Willen gegen den des Kindes durch. Gleichzeitig bedeutet die Verfügungsgewalt der Eltern aber auch Schutz für Kinder. Denn das Gezerre kann auch dazu dienen, das Kind von der gefährlichen Straße zu holen. Beobachtet man so eine Szene, löst das entsprechend zwiespältige Gefühle aus.
Und auch wenn den Eltern diese Macht mit der Geburt der Kinder einfach gegeben wird, wird sie doch erst legitim, wenn wenn sie diese aus Liebe zu ihren Kindern ausüben. Solch eine rechtmäßig genutzte Macht ist Autorität und erzeugt keine Angst, sondern schafft Vertrauen. Denn sehr junge Menschen überschätzen die Fähigkeiten ihrer Väter und Mütter meist grandios – nicht selten schreiben Kinder ihren Eltern übermenschliche Stärken zu –, und fühlen sich dadurch geschützt.
Schläge aus Liebe
Natürlich kann man mit dieser Interpretation auch Schläge und psychische Gewalt rechtfertigen – schließlich passiere auch das nur zum besten des Kindes und letztendlich aus Liebe. Solche Rechtfertigungen sind aber meist schnell zu durchschauen.
So heißt eine verantwortliche Autorität auch nicht, einem Kind mit aller Macht die eignen Normen und Werte aufzudrängen. Denn sucht man nicht die Kooperation des Kindes, begründet das eigene Handeln (sofern das Kind in einem entsprechenden Alter ist), folgt das Kind schließlich nur aus Angst vor Strafe. Und so ein Erziehung kann schwerwiegend Folgen für die Entwicklung eines Selbstbewusstseins haben – und sogar zu dissozialem Verhalten führen.
Spürt das Kind hingegen, das die Methoden, auch wenn sie den Jungen und Mädchen nicht immer gefallen, auch ihm selbst dienen, erwächst daraus Respekt. Also Achtung vor dem Wissen und vor den Fähigkeiten der anderen, in diesem Fall der Eltern.
Grenzen geben Freiheit
Diese Grenzen gänzlich selber zu bestimmen, gibt Kindern Kindern keine Freiheit, sondern überfordert sie. Denn es ermangelt ihnen einfach an Erfahrung, welche Konsequenzen bestimmte Handlungen haben. Und so lange, ist es nicht nur legitim, sondern auch notwendig, dass Eltern das Richtig und Falsch bestimmen. Werden die Kleinen dann älter und lernen sich und die Umwelt einzuschätzen, muss man ihnen natürlich auch mehr und mehr das Recht zugestehen, Entscheidungen selbst zu fällen. Aber auch dann bewegen sie sich meist noch in dem Rahmen, der ihnen durch ihre Eltern vorgegeben wurde.
Dann müssen Junden und Mädchen nicht haltlos von Erfahrung zu Erfahrung taumeln, sondern haben eine Festigkeit, die sie erst in die Lage versetzt, selbstbestimmt und verantwortlich zu handeln.
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